Thru The Heart
Patrick Haas, Gesch├Ąftsf├╝hrer und Chief Creative Officer der Grazer Werbeagentur EN GARDE, und sein Team konnten sich 2023 bei den CCA-Venus-Awards in Wien durchsetzen und gewannen unter anderem den Special Award f├╝r den Creative Lead der Steiermark. Im Gespr├Ąch erz├Ąhlt Patrick Haas von seiner k├╝nstlerischen Herangehensweise, spannenden Projekten und der Bedeutung von Auszeichnungen.
┬ę CCA / Heidi Pein & Phillipp Lichtenegger

2006 wurde die Werbeagentur EN GARDE aus Graz gegr├╝ndet. Seitdem arbeitet das Team an zahlreichen Projekten mit namhaften Kund:innen wie┬áGRAWE, JKU ÔÇô Johannes Kepler Universit├Ąt Linz, Center West oder A1, aber auch┬áambitionierten kleineren und mittleren Unternehmen wie FritzFritz oder der Haindl M├╝hle.┬áBei den CCA-Venus-Awards 2023 hat es die Grazer Agentur┬ásechs Mal mit einer Nominierung auf die Shortlist geschafft und konnte drei Preise f├╝r sich gewinnen. Den Special Award f├╝r den Creative Lead der Steiermark, Bronze f├╝r eine innovative Plakatserie f├╝r die GRAWE und Bronze f├╝r ein experimentelles Foto-Projekt f├╝r FRITZFRITZ.

Wie sehen bei euch die Prozesse aus, um so erfolgreich zu sein?

Es geht vor allem darum, die Kund:innen kennenzulernen, es ist ein Mensch-zu-Mensch-Business. Zu wissen, was das Gegen├╝ber bewegt, wo sie hinm├Âchten und wer sie sind. Wenn die Chemie passt und man die gleichen Werte hat, ist die Wahrscheinlichkeit nat├╝rlich h├Âher, dass was Geiles rauskommt. Wir sind nicht immer der klassische Dienstleister, sondern eher auf der k├╝nstlerischen Seite, sodass wir unser eigenes Ding machen. Nat├╝rlich mit dem Ziel, den Wunsch der Kund:innen zu erf├╝llen. Und sich dann einfach austoben, kreativer Wahnsinn, keine Scheu haben, mutig sein, die Kund:innen m├╝ssen vertrauen und aus der Komfortzone raus. Sich trauen etwas zu machen, was vorher noch niemand gemacht hat.

Du hast euren k├╝nstlerischen Zugang angesprochen. Wie unterscheiden sich eure Arbeiten und deine Herangehensweise von anderen?

Unsere Arbeiten werben, ohne Werbung zu sein. Ich denke, es ist eben dieses Ungew├Âhnliche, das sie so interessant macht. Mein Vater ist Bildhauer und hat das K├╝nstlerleben gew├Ąhlt. Ich bin so eine Mischung, ich habe auch das pragmatische und das wirtschaftliche in mir. Man kann nat├╝rlich Werbestrategien und zielf├╝hrende Ideen entwickeln, aber irgendwann hat man alles gesehen. Interessant wird es dann, wenn man etwas anderes probiert, was nicht so klar die Werbestrategie dahinter erahnen l├Ąsst. Bei mir ist es immer auch Ausdruck der Seele. Nat├╝rlich muss es f├╝r die Kund:innen passen, aber das intrinsische Seelenleben schwingt in der Kunst auch mit. Und das wird dann f├╝r die Kund:innen ├╝bersetzt. Ein K├╝nstler macht seine Arbeit bis zu einem gewissen Grad f├╝r sich, weil es ihm wichtig ist, das auszudr├╝cken. Der Werber macht die Dienstleistung rein f├╝r die Kund:innen. Da ist ein Briefing, das wird erledigt. Und bei uns schwingt einfach einiges von meiner k├╝nstlerischen Seite mit. Es w├Ąre meine Wunschvorstellung, dass alle Kund:innen sich darauf einlassen, aber daran arbeiten wir noch.

┬ę CCA / Heidi Pein & Phillipp Lichtenegger
┬ę GEOPHO

Wie geht ihr damit um, wenn es Probleme mit Kund:innen gibt oder sich jemand nicht auf den Prozess einlassen will?

Unterschiedlich. Es gibt bessere und schlechtere Szenarien. Vor kurzem hat ein Projekt schwierig angefangen, aber wir haben dann sehr schnell einen Konsens gefunden. Beide haben das Briefing ÔÇô das hie├č ÔÇ×KunstprojektÔÇť ÔÇô ganz anders verstanden. F├╝r mich ist es etwas Schr├Ąges, abseits der Norm. F├╝r andere ist es vielleicht einfach eine bessere Website oder ein besseres Plakat. Da haben wir aber relativ schnell gesagt wir reden dar├╝ber. Was wollt ihr? Das k├Ânnen wir erf├╝llen. Wir haben dann st├Ąrker in die Dienstleistungsrolle gewechselt. Und das sch├Âne war, dass es dann trotzdem f├╝r alle Beteiligten gut gelaufen ist. Alle waren happy. Mit manchen geht es besser, mit manchen schlechter, mit mir inklusive. Mit mir kann es manchmal auch nicht ganz einfach sein. (Lacht)

Der Creativ Club Austria verfolgt seit seiner Gr├╝ndung im Jahr 1972 das Ziel, das Beste der ├Âsterreichischen Kreativwirtschaft zu repr├Ąsentieren und zu pr├Ąsentieren.┬áEinmal im Jahr zeichnen Expert:innen im Rahmen des CCA-Venus-Awards Arbeiten aus, die in ihren Disziplinen beispielgebend sind und Standards setzen. Macher:innen und Auftraggeber:innen werden ins Rampenlicht gestellt. Der CCA-Venus-Award ist der wichtigste Kreativpreis ├ľsterreichs. 2023 gab es ├Âsterreichweit insgesamt 1.285 Einreichungen.

Erz├Ąhl bitte etwas ├╝ber das Projekt f├╝r FritzFritz, das ja mehrmals auf die Shortlist nominiert┬áwurde und f├╝r das ihr auch mit Bronze ausgezeichnet wurdet.

Das war im letzten Jahr das Projekt, an das ich am meisten geglaubt hab. Ich habe schon gesp├╝rt, dass das was ganz besonderes ist. Es hat gestartet mit monatelangem Kennenlernen, Workshops, miteinander arbeiten, ├ängste und Sorgen des Gegen├╝bers und auch ihr Ziel zu verstehen. Es war ein langer Prozess mit einer guten Vertrauensbasis. Wir haben eine Serie gemacht, ein Lookbook mit ganz extravaganter Bildsprache und Fotografie, aber auch Text, Layout und Posterdesign. Es ist nicht allt├Ąglich, das muss man auch dazu sagen. Das w├╝nsche ich mir nat├╝rlich ├Âfter, dass die Leute sich sowas trauen. Ein klassisches Beispiel an der Schwelle zu Kunst. Und es gab einen extremen Werbeeffekt in der Zielgruppe kunstaffiner Menschen. Wir haben sie genau dort abgeholt, wo sie sind, n├Ąmlich in dieser Kunst-Bubble.

┬ę EN GARDE
┬ę EN GARDE

Auch euer Projekt für die GRAWE wurde mit Bronze ausgezeichnet. Was war hier das besondere daran?

Grawe macht seit Jahren schon sehr mutige Geschichten mit uns. Hier war der Gap zwischen Jugendmarke und Vorstandsebene nat├╝rlich schwieriger. Man kann nicht das Allerschr├Ągste machen, sich aber trotzdem was trauen. Der Strategiesatz war ÔÇ×The most uninteresting thing in the worldÔÇť, also nat├╝rlich sehr pikant, sich so zu positionieren. Unsere Story war, dass junge Leute andere Dinge zu tun haben als sich mit Polizzen zu besch├Ąftigen ÔÇô und das haben wir bespielt. Wir haben ihnen geholfen und ihnen das Uninteressante abgenommen. Das coole an der Kampagne war, dass es kein Branding auf den Plakaten gab. Es sind nur sensationsgeile Headlines draufgestanden ÔÇô nur eben ohne Sensation. Wir haben damit gespielt, dass es seit Jahren viel Negativit├Ąt rund um Pandemie und Krieg gibt. Das war cool in Graz. Plakate die keinen erkennbaren Werbewert haben. Wir haben viel Aufmerksamkeit erzielt.

Was ist in deinem Kopf vorgegangen, als verk├╝ndet wurde, dass ihr den Creative Lead Steiermark gewonnen habt?

Ich war total ├╝berfordert. Nat├╝rlich hab ich mir das gew├╝nscht und nat├╝rlich ist es das strategische Ziel f├╝r unsere Positionierung als Kreativagentur. Aber realistischerweise ÔÇŽ es ist wirklich arg gewesen. Wenn man das einfach so selbst von sich behauptet ist es immer schwierig und man macht sich angreifbar. Aber wenn man den Titel wirklich verliehen bekommt und sich auf das beziehen kann ist das schon cool. Ich muss aber auch sagen, sich zu vergleichen ist irgendwie der Tod des Selbstwert finde ich. Das ist immer sehr ungesund f├╝r jeden der beteiligt ist. Wir haben eine sehr gute Qualit├Ąt in der Steiermark und ich finde wer da jetzt mehr Statuen gewinnt oder weniger ist egal. Es ist mir nat├╝rlich eine Ehre, aber mir w├╝rde es noch besser gefallen, wenn wir mehr miteinander reden w├╝rden und gemeinsam den Standort st├Ąrken. Wir sitzen alle im gleichen Boot, einmal gewinnt der und einmal der, so wird es immer sein.

Die 2006 gegr├╝ndete Agentur EN GARDE steht f├╝r f├╝r wegweisende Projekte ÔÇô von Konzept, ├╝ber Design, bis hin zur perfekten technischen Umsetzung.

Was EN GARDE macht, wird mit Herz gemacht. Schlie├člich kann man die Begeisterung, mit der Dinge entstehen, sp├╝ren. F├╝r Markenauftritte, die nicht nur Werbung sind, sondern etwas in uns ber├╝hren und uns bewegen. Oder wie EN GARDE sagt: Thru The Heart.

Patrick Haas ist seit 2017 bei EN GARDE als Gesch├Ąftsf├╝hrer und Creative Director t├Ątig. Davor war er in anderen Agenturen und Unternehmen als Creative Director und Texter t├Ątig.

Mehr Informationen zu EN GARDE
Website: www.engarde.net
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