Ein Schloss, zwei Tage, acht Gesprächsrunden: Das ist das Setting der Österreichischen Designgespräche auf Schloss Hollenegg. Im Fokus stehen die Fragen, wie Design zu wirtschaftlichem Erfolg beiträgt, welcher Mehrwert dadurch generiert werden kann und wie sich dies in einer modernen Unternehmensstrategie verankern lässt. Antworten liefern in jeder Gesprächsrunde Duos bestehend aus Auftraggeber:innen und Auftragnehmer:innen, die ihre Projekte vorstellen und den Designprozess dahinter transparent machen – Moderator:innen von Creative Industries Styria, designaustria und Schloss Hollenegg for Design leiten die Gespräche, das Publikum hakt im Anschluss nach.
Die Themen und Paarungen im Detail
Die folgenden Projekte wurden bei der zehnten Auflage der Österreichischen Designgespräche auf Schloss Hollenegg vorgestellt und diskutiert:
Swisspearl: Zement neu gedacht
Architekt und Designer Martin Mostböck sowie Marketingchef Hans-Jörg Kasper sprachen über Swisspearls Outdoor-Serie aus Faserzement mit zukunftsgewandtem Designansatz: „Nirgendwo kommt unser Werkstoff den Nutzer:innen so nahe wie bei Sitzmöbeln oder Gartenprodukten“, so Kasper, „damit machen wir das Produkt sympathischer“.
Molto Luce: Die Zukunft der Bürobeleuchtung
Produktdesigner Michael Fink und Produktmanagement-Chef Christian Hofwimmer gingen in den Austausch über die Office-Beleuchtunglösung »LENS« mit Sensormatrix-Technologie und minimalistischem Design. Spannender Vergleich: „In unserer LENS 2 sind mehrere Tageslicht-Sensoren verbaut. Die Rechen-Engine so einer Leuchte hat ungefähr die gleiche Rechenleistung wie seinerzeit eine PlayStation 1“, so Hofwimmer.
Weitzer Woodsolutions: Holz trifft Hightech
Wolfgang Knöbl von Weitzer Woodsolutions und Andreas Straßmayr von KEBA sprachen über die gemeinsam entwickelte Hightech-Holzverkleidung für Wallboxen mit hohem Nachhaltigkeitsfaktor. Straßmayr: „In Zukunft wollen wir Holz in der Verarbeitung viel mehr einsetzen, auch in Bereichen, wo man das vielleicht im Moment noch nicht so gewohnt ist. Die Industrie geht da neue Wege.“
Cucina Alchimia: Alchemie aus Raum, Form und Funktion
Jakob Bretterbauer und Michael Moser von Cucina Alchimia sowie Simon Pointner von Studio FREUDE sprachen über das gemeinsame Restaurant-Projekt als „Institut für experimentelle Kulinarik“ und Grundstein, um weitere Projekte zu realisieren. „Für mich war die Zusammenarbeit mit Cucina Alchimia vor allem auch spannend fürs Portfolio“, fasste Pointner die Designer-Perspektive zusammen, „wir wollten damit international aufschlagen“.
Lobmeyr: Hommage an die Linie
Designer Bodo Sperlein und Johannes Rath, Geschäftsführer von J. & L. Lobmeyr, unterhielten sich über die von der Eleganz der Typografie inspirierte Leuchtenserie »SCRIPT«. „Für mich geht es nicht darum, ein Objekt zu haben, sondern eine Sprache, eine Linie, die über verschiedene Anwendungen hinweg konjugierbar ist“, so Rath zur Zielsetzung bei der Entwicklung aus der Perspektive des Leuchtenherstellers. Designer Sperlein zur gestalterischen Perspektive: „Für mich ist ein gutes Design ein Design, das auch gut aussieht, wenn es nicht in Verwendung ist.“
Artweger: Design mit Doppelnutzen
Christoph Pauschitz von GP designpartners und Michael Walkoun von Artweger sprachen über die gemeinsam entwickelte Walk-in-Dusche mit barrierefreiem Einstieg namens »JOICE«. „Der Trend in den letzten Jahren und Jahrzehnten hat dazu geführt, dass man das Bad als Teil des Wohnraums nutzen will“, so Designer Pauschitz. „Deshalb müssen wir das Bad auch als Freiraum, nicht als Nutzraum gestalten.“
Sprinters: Nachhaltiger Erfolgs-Druck
Designer Tomislav Bobinec und Gerhard Steindl von der Medienfabrik Graz erörterten die Entwicklung der neuen Online-Druck-Marke der Medienfabrik, Sprinters, mit Fokus auf Schnelligkeit, Regionalität und Nachhaltigkeit. Steindl: „Früher konnte man Digitaldruck nicht jede:m verkaufen. Mit den Inkjet-Maschinen, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind, können wir jedoch eine Qualität erbringen, die beinah besser als bei Offset-Druck ist – vor allem auch durch die Wiederholbarkeit“.
Hutter Acustix: Virtuose Bühnen- und Klangräume
Architekt Johannes Kraus und Elisabeth Hutter von der Raumakustik-Tischlerei Hutter Acustix sprachen über das Spannungsdreieck aus Architektur, Akustik und Handwerk. „Der Raum ist das erste Instrument«, fasste Hutter die Herausforderung bei der akustischen Ausstattung von Gebäuden zusammen, „erst, wenn der passt, können die Musiker:innen kommen.“ Doch nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf Gestaltung kommt es an: „In der Musik sind die Pausen wichtig, in der Architektur auch die Leerstellen, sonst funktioniert das Konzept nicht“, so Kraus.
Über die Österreichischen Designgespräche auf Schloss Hollenegg
Die Österreichischen Designgespräche auf Schloss Hollenegg präsentieren Best-Practice-Beispiele, die zeigen, wie eine symbiotische Beziehung zwischen Design und Wirtschaft zu innovativen Produkten und Dienstleistungen führt. Neun Partnerschaften zwischen klassischer Wirtschaft und Design stehen dabei buchstäblich im Zentrum und werden am runden Tisch diskutiert. Die Designer:innen und Unternehmer:innen berichten gemeinsam von den Learnings, die sie im Rahmen ihrer Zusammenarbeit gemacht haben. Zudem geben die ausgewählten Duos Einblicke in ihren persönlichen Zugang zum Thema Design und die daraus resultierenden Auswirkungen auf ihre ökonomischen Aktivitäten.
Das Format ist eine Veranstaltung der Creative Industries Styria in Kooperation mit designaustria, dem Holzcluster Steiermark und Schloss Hollenegg for Design. 2025 fanden die Designgespräche zum zehnten Mal statt.













